Glimmender Gigant

 

Glimmender Gigant!
Verfluchter!
Verruchter!
Vermaledeiter Hund!

Du teilnahmsloser Bote
Vergänglicher Glückseligkeit,
Bist Daidalos den Toren,
Formst Sisyphos aus Dampf.

Ich, ein Opfer meiner Täuschung,
Bin Minotaur’ der Sucht,
Steh’ atemlos vor Theben,
Wie Hektor auf der Flucht.

Du brennst darauf zu töten,
Gleichst Kronos vor dem Mahl,
Du frisst den freien Willen,
Machst leere Luft zur Qual.

Mein Anruf bei den Moiren,
Verhallt jedoch im Nichts,
Kein fest gezurrtes Schicksal,
Nimmt mich in deine Pflicht.

Du bist Symptom der Schwäche,
Ein Pantomim’ des Glücks,
Bist mörderischer Schreiber,
Eines sündhaft teuren Stücks.

Ich, Rekrut des Rauchs,
Quittier’ dir meinen Dienst.
Ich stürze dich, Despot,
Und dämpf dich aus auf ewiglich!

Das Ende vor Augen oder: Wie sich die Katastrophe in der Moderne wandelt

EndzeitDieser Text wurde als Leistungsnachweis für das Konversatorium “Unfall – Desaster – Endzeit: Zukunftsvisionen der Moderne” bei Fr. Univ.-Prof. Dr. Eva Horn im Sommersemester 2014 abgefasst. Die Ideen und Zusammenhänge basieren auf den Inhalten ihrer Vorlesung.


„It’s amazing how quickly things can go from bad to total shit storm.“[1] Mit dieser Bemerkung konstatiert Columbus, der Hauptdarsteller im Film Zombieland, nicht nur seine persönliche Sicht der Dinge, sondern beschreibt damit einen Aspekt des menschlichen Katastrophendenkens, das nahezu so alt ist wie das Denken selbst. Schon in biblischen Zeiten verortete sich die Menschheit auf einer Zeitschiene, die unweigerlich auf ein Ende zusteuert. Man befindet sich immer kurz davor, wie es schon in der Offenbarung des Johannes[2] zum Ausdruck kommt.

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Zehen

 

Wackelt, kleine Zeh’n,
So lange Ihr es könnt!

Geht von Ort zu Ort,
Von Stadt zu Stadt,
Von Liebelei zu Zweisamkeit.

Fühlt Euch nicht gering,
Nur weil Ihr keine Finger seid,
Ohne Euch wär’ uns’re Welt
Bloß zwei arme Ellen breit.

Auf großem Fuß

grosserfussEines Tages saß ich an einem Tisch im Gastgarten eines charmanten Cafés außerhalb des Zentrums, da erzitterte mein großer Brauner und schlug Wellen. Ich legte die Zeitung beiseite und fragte mich verwundert ob des Ursprungs, als erneut ein ängstliches Zittern ihn durchfuhr. >> Weiterlesen

Fahnensucht – 2014

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Halbmastene Fahnen auf der einen
Festlich geschwungene auf der anderen Seite
Dazwischen gemahl’ne Körper
Wie frisch zerpresster Wein.

Trauer weht durch reihenweis’ Revers,
Von Terror spricht man, von zero Toleranz.
Mit schön polierten Worten
Wird Rachsucht eingepflanzt.

Man verspricht etwas den Toten
Und strafft die Fahnen neu.